02. Der 1. Tag
So, dies ist Gokul.
Aber gestern lebte ich, bewegte ich mich und war mit meinem ganzen Wesen in einem Palast und heute - heute bin ich in einer Hütte! Aber gestern war ich die geliebte Tochter eines reichen Mannes, und heute bin ich die Frau eines Gaulis! Wo sind mein Vater und meine Mutter jetzt? Geflohen vor dem Zorn des Königs - ihre Tochter, befreit von ihrem Retter, - erinnern sie sich an mich? Vielleicht leben sie in Frieden, wissend, daß ich in Sicherheit bin. Und, wirklich, dafür kann man dankbar sein in diesen unruhigen Zeiten. Wo sind sie versteckt? ER weiß es. Aber er wird es noch nicht einmal mir sagen, denn die Zungen der Frauen, so sagt er, bewegen sich im Schlaf. Aber sie sind sicher versteckt, das hat er mir
versprochen. Und er würde mich nicht anlügen.
Aber gestern - oder ist es tausend Yugas oder tausend Kalpas her? - war ich in Seide gekleidet und heute verbirgt ein rotes Stück Stoff meine Nacktheit. (Doch ER liebt die Farbe.) Und gestern pflückte ich Blumen
mit meinen Sakhis und viele Dienerinnen hingen an meinen Lippen, um meine kleinsten Befehle zu erfüllen. Heute muß ich mit anderen Milchmägden seine Kühe melken gehen, das bin ich - Sharmila, Tochter des großen Oberhauptes - (still! Sein Name darf noch nicht einmal geflüstert werden, noch nicht einmal gedacht werden!) - die den Vater, die Mutter, die Schwestern eines Gaulis bedienen muß! Ist es ein Traum? Nein, diese Hütte ist wirklich. Und dieses rote Stück Stoff, das mich bedeckt, ist wirklich. Und der Boden auf dem ich schlief ist wirklich. Aber gestern - aber warum sich an gestern erinnern? Unser Guru hatte Recht, als er meinem Vater den Rat gab, die Vergangenheit als unwirklich zu betrachten, da sie nicht ist, und die Zukunft als unwirklich zu betrachten, da auch sie nicht war - nicht ist... Ja, dieses Gokul ist schön. ER, dieser Gauli, der, indem er mein Leben rettete, es zu seinem eigenen machte, ist freundlich zu mir. Und sein Vater ist freundlich. Meine Schwiegermutter . . . Ah, für sie bin ich eine Fremde. Sie liebt ihren Sohn. Und wie kann sie mich lieben, die, so denkt sie, ihren Sohn von ihr genommen hat? Und seine Schwestern . . . Aber ich will nicht an die Schwestern denken. Denn was sagte unser Guru? »Sieh nicht die Fehler anderer, und, falls Du sie siehst, sprich nicht über sie.« Ah, Guruji, nie mehr werde ich Deine Worte der Weisheit hören! Und doch, da ich einige davon gehört habe, laß mich nach ihnen handeln. So daß vielleicht Friede über mich kommt. Denn mein Herz zerspringt mir beinahe, mein Kopf schwimmt und taumelt und meine Augen brennen von den Tränen, die aus ihnen herausquellen . . .
Nein, nein, Mut, Sharmila! Denn was sagte der Guru? »Nur der ist tapfer, der in der Dunkelheit an das Licht denkt.« Und ich bin tapfer. Denn komme ich nicht aus einem großen Geschlecht der Oberhäupter, die wegen ihrer Tapferkeit und Geschicklichkeit mit Waffen berühmt waren? Vielleicht hat Gokul ein Geschenk für mich aufbewahrt. Vielleicht! Denn schwörte nicht der Guru, daß Gott mit der einen Hand nimmt, um mit der anderen doppelt zugeben? Mut, Sharmila! Laß mich an das Licht denken. Dieses Gokul ist wirklich ein schöner Platz! Wie die Vögel singen! »Pi Pi Pi!« und »Piju Piju.« Immer singen sie »Pi« und »Piju«! Was wissen sie von »Pis« und »Pijus«? Und was wußte Sharmila davon? Aber gestern - aber gestern wußte sie nichts von »Pis« und »Pijus«. Und heute - heute? - Ah, heute weiß sie davon! Wie tapfer die Bäume sich im Wind wiegen! Und sieh nur, wie die Madhu-Malati sich eng mit ihren grünen Ranken, wendend und greifend, an sie schmiegt . . . Sie sind wie die Arme einer liebenden Frau um ihren starken Herrn. Und die Papeeha singt von der Liebe, die wie Saft durch ihre grünen Venen läuft. Und die Luft ist wie ein Kind, mal mit dieser Blüte spielend, mal mit jener. Und die Blumen sind wie die Gedanken einer Mutter über ihr Kind . . . Ja, wirklich, es ist schön dieses Gokul! Aber was ist das? Ist nicht die ganze Natur nur ein Spiegel des Menschen? Neue Gedanken drängen sich in meinen Geist, bis mein Kopf zum Zerspringen voll mit ihnen ist . . .
Aber gestern lebte ich, bewegte ich mich und war mit meinem ganzen Wesen in einem Palast und heute - heute bin ich in einer Hütte! Aber gestern war ich die geliebte Tochter eines reichen Mannes, und heute bin ich die Frau eines Gaulis! Wo sind mein Vater und meine Mutter jetzt? Geflohen vor dem Zorn des Königs - ihre Tochter, befreit von ihrem Retter, - erinnern sie sich an mich? Vielleicht leben sie in Frieden, wissend, daß ich in Sicherheit bin. Und, wirklich, dafür kann man dankbar sein in diesen unruhigen Zeiten. Wo sind sie versteckt? ER weiß es. Aber er wird es noch nicht einmal mir sagen, denn die Zungen der Frauen, so sagt er, bewegen sich im Schlaf. Aber sie sind sicher versteckt, das hat er mirversprochen. Und er würde mich nicht anlügen.
Aber gestern - oder ist es tausend Yugas oder tausend Kalpas her? - war ich in Seide gekleidet und heute verbirgt ein rotes Stück Stoff meine Nacktheit. (Doch ER liebt die Farbe.) Und gestern pflückte ich Blumen
mit meinen Sakhis und viele Dienerinnen hingen an meinen Lippen, um meine kleinsten Befehle zu erfüllen. Heute muß ich mit anderen Milchmägden seine Kühe melken gehen, das bin ich - Sharmila, Tochter des großen Oberhauptes - (still! Sein Name darf noch nicht einmal geflüstert werden, noch nicht einmal gedacht werden!) - die den Vater, die Mutter, die Schwestern eines Gaulis bedienen muß! Ist es ein Traum? Nein, diese Hütte ist wirklich. Und dieses rote Stück Stoff, das mich bedeckt, ist wirklich. Und der Boden auf dem ich schlief ist wirklich. Aber gestern - aber warum sich an gestern erinnern? Unser Guru hatte Recht, als er meinem Vater den Rat gab, die Vergangenheit als unwirklich zu betrachten, da sie nicht ist, und die Zukunft als unwirklich zu betrachten, da auch sie nicht war - nicht ist... Ja, dieses Gokul ist schön. ER, dieser Gauli, der, indem er mein Leben rettete, es zu seinem eigenen machte, ist freundlich zu mir. Und sein Vater ist freundlich. Meine Schwiegermutter . . . Ah, für sie bin ich eine Fremde. Sie liebt ihren Sohn. Und wie kann sie mich lieben, die, so denkt sie, ihren Sohn von ihr genommen hat? Und seine Schwestern . . . Aber ich will nicht an die Schwestern denken. Denn was sagte unser Guru? »Sieh nicht die Fehler anderer, und, falls Du sie siehst, sprich nicht über sie.« Ah, Guruji, nie mehr werde ich Deine Worte der Weisheit hören! Und doch, da ich einige davon gehört habe, laß mich nach ihnen handeln. So daß vielleicht Friede über mich kommt. Denn mein Herz zerspringt mir beinahe, mein Kopf schwimmt und taumelt und meine Augen brennen von den Tränen, die aus ihnen herausquellen . . . Nein, nein, Mut, Sharmila! Denn was sagte der Guru? »Nur der ist tapfer, der in der Dunkelheit an das Licht denkt.« Und ich bin tapfer. Denn komme ich nicht aus einem großen Geschlecht der Oberhäupter, die wegen ihrer Tapferkeit und Geschicklichkeit mit Waffen berühmt waren? Vielleicht hat Gokul ein Geschenk für mich aufbewahrt. Vielleicht! Denn schwörte nicht der Guru, daß Gott mit der einen Hand nimmt, um mit der anderen doppelt zugeben? Mut, Sharmila! Laß mich an das Licht denken. Dieses Gokul ist wirklich ein schöner Platz! Wie die Vögel singen! »Pi Pi Pi!« und »Piju Piju.« Immer singen sie »Pi« und »Piju«! Was wissen sie von »Pis« und »Pijus«? Und was wußte Sharmila davon? Aber gestern - aber gestern wußte sie nichts von »Pis« und »Pijus«. Und heute - heute? - Ah, heute weiß sie davon! Wie tapfer die Bäume sich im Wind wiegen! Und sieh nur, wie die Madhu-Malati sich eng mit ihren grünen Ranken, wendend und greifend, an sie schmiegt . . . Sie sind wie die Arme einer liebenden Frau um ihren starken Herrn. Und die Papeeha singt von der Liebe, die wie Saft durch ihre grünen Venen läuft. Und die Luft ist wie ein Kind, mal mit dieser Blüte spielend, mal mit jener. Und die Blumen sind wie die Gedanken einer Mutter über ihr Kind . . . Ja, wirklich, es ist schön dieses Gokul! Aber was ist das? Ist nicht die ganze Natur nur ein Spiegel des Menschen? Neue Gedanken drängen sich in meinen Geist, bis mein Kopf zum Zerspringen voll mit ihnen ist . . .
