05 Eine Woche später
Es ist sogar eine Freude den Boden zu wischen, Staub wegzuputzen, zu kochen und zu schrubben, denn dies Brindaban ist wie ein Tempel und alle Handlungen scheinen hier fromme Gaben und Opfer, gespendet in Liebe, zu sein. ER wird Tag für Tag freundlicher und mein Leben und Herz ist ganz von ihm erfüllt. Sie sind alle freundlich, ja, außer meiner jüngsten Nanand - aber ich will nicht an sie denken - nein, noch nicht einmal daran, wie sie mir wehtat, weil er mir einen neuen Sari mitbrachte, noch, wie sie an meinem Haar zog, weil sie sah, wie ER es liebkoste, wie sie meine Milch wegschleuderte und mich den ganzen Tag hungern ließ, denn das trockne Brot steckt immer noch in meinem Hals, und sie weiß es.
Aber ich will nicht an sie denken. Denn wie sagte unser Guru? »Wisse oh Oberster, daß nichts schlecht ist, es sei denn man selbst macht es dazu, dadurch daß man es als solches betrachtet.« Damals lachte ich über unseren gesegneten Guruji, aber jetzt weiß ich was es heißt. Und ich will sie nicht als böse betrachten, aus Furcht, daß ich sie, so denkend, dazu mache. Ja, sie plagt mich. Ich will an etwas Schönes denken, etwas Erfreuliches, Unschuldiges, Freundliches . . .
Dieser Krishna scheint ein wunderbares Wesen zu sein! Wer er ist, was er tut, wo er lebt, wo er jetzt ist, all das ist ein vollkommenes Rätsel. Die GOPIS wissen es und sprechen immer von ihm. Oft sehne ich mich danach sie zu fragen, aber eine innere Verschwiegenheit, eine Freude am Geheimnis selbst, somit auch das seltsame Gefühl, daß sogar der bloße Laut des Namens in mir erwacht, hemmt meine zwecklose Neugierigkeit und läßt mich still bleiben.
»Krishna«! Ein schöner Name! Ein Name, der sich in mein Blut einschleicht, so wie sich das Mondlicht in jene silbernen Wellen einschleicht, die auf der Jamuna spielen. Ein süßes, süßes Wort. Ein auserlesenes Wort! Es schleicht sich in mein Herz und erleuchtet es, so wie das schüchterne Mondlicht sich in jene dunklen Haine dort drüben einschleicht und sie mit einem zarten, überirdischen Strahlen erfüllt. Wahrhaftig, es ist ein Name voller Farben, voller Licht und voller Musik: »Krishna!« Und derjenige, der diesen süßen Namen trägt, dieser Krishna, ist auch Er voller Farbe, voller Licht und voller Musik? Ah, eines Tages werde ich es wissen!Aber dieses Wissen wird von selbst kommen, zu seiner eigenen Zeit. Ich will es nicht beschleunigen, denn sogar nicht alles über Krishna zu wissen ist süß! Krishna, mit meinem unvollständigen Wissen über ihn, ist wie der zunehmende Mond, der ein und aus in die dunklen und schweren Wolken schlüpft, so schlank, so sanft scheinend, - wie ein gebogenes Haar aus Licht, - daß er oft nur wie ein silberner Traum gesehen wird . . . ein leuchtendes
Trugbild . . . Genauso schimmert, schlüpft und versteckt sich jener Name zwischen und unter den Falten meiner Unwissenheit. Krishna! Krishna!
Trugbild . . . Genauso schimmert, schlüpft und versteckt sich jener Name zwischen und unter den Falten meiner Unwissenheit. Krishna! Krishna!
