17 Später
Und kannst Du jemals ihn vergessen, der, als Du vor Müdigkeit und Schrecken in Ohnmacht fielst, Dich in seinen Armen so zart trug, wie eine Mutter ihr Baby, für wer weiß wie lange? Soll er betrogen werden, dieser Held, der eine Bande von Wandernden bekämpfte, um Dich zu beschützen und der sie alle einhändig mit der Hilfe seiner vertrauensvollen Leute besiegte? Und, als sie zerstreut waren, erinnere Dich, wie der Held noch einmal die Mutter wurde - denn niemand als eine Mutter kann solch eine Güte, solche Zärtlichkeit, solche pflegende Sorge zeigen -, und Dich wieder in seine starken Arme hochhob und mit Dir ging, für ich weiß nicht wie viele Stunden, ohne ein Zeichen seiner Müdigkeit zu verraten. Und mitten in der Nacht brachte er Dich hierher, zu diesem schönen Gokul und gab Dir danach den Schutz dieses Hauses, die Heiligkeit seines tadellosen Namens und die Liebe seiner reinen und aufrichtigen Hilfe. Ah, in der Tat mußt Du für alle aufrichtigen Gefühle tot sein, wenn Du jemals, jemals einen Nath wie diesen vergißt!«
Ein lauter Aufschrei kam von den bebenden Lippen meines Naths und bevor ich wirklich wissen konnte, was los war, sprang er an meine Seite und sank neben mir auf seine Knie. »Sharmila! Sharmila!« seufzte er, »oh, Sharmila!« Seine Aufregung sehend, blieb ich seltsamerweise ruhig und eine große, tiefe Glücklichkeit erfüllte mich und ich lächelte.
»Nath!« sang ich, »oh, Nath, denk an Malati und Dein Versprechen ihr gegenüber! « »Malati soll sich selbst ertränken!« erwiderte mein Nath zornig. »Und zu dem Versprechen, es ist ein unwürdiges Versprechen und zu nichts nutze, als gebrochen zu werden! Und wenn ich Dich gefüttert habe und den Schmerz aus Deinen zarten Lippen herausgepreßt habe, dann wirst Du mir die Wahrheit dieser unglücklichen Sache erzählen.«
» Aber -« begann ich. »Nein, nein, keine Worte jetzt!« befahl er, mit nassen Augen in mein Gesicht lächelnd, seine starken Hände beschäftigt mit den Stricken, die mich fesselten. Bald war ich frei und nahm Nahrung von seiner zarten Hand, denn er erlaubte mir nicht die meinige zu bewegen und nichts konnte ihm gefallen, als mich zu füttern. Ich war sehr zufrieden damit. Als ich ein bißchen erfrischt war, nahm er mich in seine Arme und dann, mein Kopf an seine Brust gelehnt, erzählte ich ihm die Wahrheit. Und als er das hörte, wurde sein Gesicht finster, seine Augen flammten, aber er sagte nichts, sondern rieb meine Hände zarter und seufzte einmal oder zweimal, seinen Kopf schüttelnd. Und als ich mit der Erzählung fertig war, schlüpfte ich von seinen Armen und kniete mit gebeugtem Kopf und gefalteten Händen vor ihm.