25. Noch später
»Sharmila«, sagte mein Herr verwundert, als wir durch die mondhellen Wälder spazierten, die vom Geflüster »Krishna! Krishna!« lebendig waren. »Sharmila, mein Weib, was ist über Dich gekommen?« »Oh mein Herr, oh mein lieber Herr, ich bin tot und im Himmel, so scheint es mir!« »Nein, meine Blume, Du lebst, Vishnu sei gelobt! Und Du wandelst an der Seite dessen, der Dich liebt -« »Ja, und den ich liebe!« weinte ich. »Wofür Ishwara gedankt sei! Und doch - ich bin besorgt um Dich, Geliebte.« »Oh Nath, sei nicht besorgt! Besorgt, Du, der Du mich liebst? Besorgt, weil Sharmila blind war und jetzt ihr Augenlicht wiedergewann? Besorgt, weil Sharmila schlief und jetzt aufwachte? Besorgt, weil Sharmila in der Narak war und jetzt in den Swarga getragen wurde? Nein, geliebter Nath, dann ist Deine Liebe wie dieses Mondlicht, silbern und schön, doch unantastbar wie in Träumen und genauso falsch!«
»Meine liebe Sharmila«, sagte mein Herr, » ist so tief wie das Meer, so rein wie die weiße Kamelienblume, so unsterblich wie die Zeit und so wahr wie Gott selbst. Doch ich bin besorgt.« »Mein Herr«, sagte ich, seine Hand nehmend, »sei nicht besorgt und ich werde Dir alles, was mit Deinem Weib geschah, dessen Geliebter Gott selbst ist, erzählen! Bist Du jetzt zufrieden?« »Ah, wer könnte sich sorgen, wenn Du neben ihm bist? Komm, erzähle es mir dann.« Und so erzählte ich ihm in diesen Worten:
»Wisse, mein geliebter Herr«, begann ich, » daß heute morgen am Ghat mit Deiner Sharmila ein seltsamer Unfall geschah. Ich badete mit meinen Sakhis und verließ den Fluß mit ihnen, aber als ich mich mit ihnen anziehen wollte, oh weh! Ich konnte es nicht, denn mein Gewand war weg, richtig weg! Ich suchte und suchte, und auch meine Sakhis, aber sie konnten nicht lange verweilen und so verließen sie mich, sehr gegen ihren eigenen Willen, noch überall suchend. Und als sie gegangen waren, war ich sehr beunruhigt bei dem Gedanken an meine Einsamkeit und an meinen Zustand, aber ich suchte noch...
Und plötzlich, als das Geläut ihrer Fußringe in der Entfernung abstarb und ihre lustig bekleideten Körper vor meinem versonnenen Blick verschwanden, sah ich meinen Sari! Ich lief zu ihm, mit einem Schrei voller Freude, und langte hoch, um ihn von einem Zweig, auf dem er hing, zu zerren. Und als meine Hände ihn berührten, oh! wurde er weich wie Seide und erstrahlte mit einem plötzlichen Schein, so als ob er in Gold getaucht wär. Wobei ich mächtig erstaunt war und nicht ein bißchen ängstlich, wie Du Dir gut vorstellen kannst!« Ich hielt an und mein Herr sagte atemlos: »Und dann?« »Ich nahm ihn voller Hast«, begann ich und hielt wieder an. »War das eine Flöte, mein Herr?« »Nein, nur der Ruf eines Nachtvogels. Erzähl weiter, Geliebte!«