29. Zwei Wochen später
Am Abend kam er sehr besorgt zurück. »Sharmila, mein Vieh ist verschwunden!« »Verschwunden!« rief Malati, die gerade ankam. »Unsinn, Bruder, Du träumst! Kamst Du nicht selbst vor einer Stunde und hast es in den Stall gebracht?« »ICH?« rief mein Herr aus, »ICH kam?« - Und er lief unverzüglich hinaus, um später zurückzukommen, während ich herzlich lachte. »Sie sind alle da«, nickte er fröhlich, »schon wieder Krishna!« »Aber Bruder, ich kann Dir nicht glauben!« rief Malati eigensinnig. »Warum sagst Du mir nicht, daß Du Lakshman getroffen hast und er Dir erzählte, daß er Kühe haben möchte und daß Du dort ein Geschäft mit ihm abgeschlossen hast?«»ICH - ICH? - Ha!« sagte mein Herr. Und wurde danach sehr nachdenklich. Aber am nächsten Morgen ging er beizeiten fort; und als er zurückkam, erklärte er freudig, daß er ein großes Geschäft mit Lakshman, einem der reichsten Gaulis in Gokul abgeschlossen habe. »Und Krishnas Streich war eine Gefälligkeit, Sharmila!« »Dieser Krishna«, sagte mein Schwiegervater gedankenvoll, »ist nicht so schwarz, wie das Gerücht von ihm sagt.« Und er rieb seine Nase und starrte in den Himmel.
Und ich erinnere mich, wie ich vor einer Woche, als ich durch die Wälder streifte und Blumen pflückte, zu einem alten Weib kam, das an einer Quelle saß. »Wer bist Du, schönes Mädchen?« fragte sie, nachdem wir eine Weile gesprochen hatten. »Sharmila, Mai, die Frau von Gauli Madhava.« »Und die Tochter von -?« hier lehnte sie sich vor und wisperte den Namen meines Vaters. Ich stutzte und mein Herz klopfte. »Wieso, Mutter!« rief ich, »kennst Du sie? Hast Du sie gesehen? Wo sind sie? Wie geht es ihnen? Und meine Mutter? Und mein kleiner Bruder? Und...«
»Still! Still!« sagte die alte Frau, den Finger auf die Lippen legend. »Es geht ihnen gut, sie sind sicher und erinnern sich oft an Dich voller Liebe. Ich komme von wo sie wohnen. Und sie baten mich, Dich zu suchen und Dir ihren Segen zu geben und Dir zu sagen, Du sollest keine Angst haben, noch Dich grämen . . .« »Oh, ich danke Dir! Oh, ich danke Dir, Mutter! Möge Lord Shri Krishna Dich für immer und ewig segnen!«
Aber dies schien seltsamerweise der alten Frau nicht zu gefallen. »Krishna!« sagte sie stolz, »ich kenne keinen Krishna! Ich brauche seinen Segen nicht, wer auch immer er sein mag!« »Alle, alle brauchen Krishna«, sagte ich freundlich. »Willst Du mit mir streiten, Mädchen? Ich sage, ich brauche Deinen Krishna nicht. Ich kenne ihn nicht.« »Ich habe Mitleid mit Dir, Mutter!« seufzte ich. »Was? Wie? Du hast Mitleid mit mir, mit mir, die ich alt genug bin Deine Großmutter zu sein?« »Bhakti ist keine Frage des Alters, Mutter, und diejenigen, die Bhakti nicht kennen, leben in Dunkelheit und sind zu bemitleiden.« »Still, Mädchen! Lies die Shastras. Hast Du die Shastras gelesen? Nein! Wahrlich, dann bist Du genauso unwissend wie ungehörig.« »Ich wollte nicht ungehörig sein, Mutter. Und Bhakti hat nichts mit den Shastras zu tun...« »Ruhe, Mädchen! Willst Du mich belehren, mich, die ich die Frau eines Brahmin und eines Gnyanis bin?« »Noch mit Gnyan, Mutter« fuhr ich freundlich doch fest fort. »In der Tat, um eine Bhakta zu sein, muß ein Mann allen Dingen entsagen, sogar seinem Gnyan.«