03 Am nächsten Tag
In der Morgendämmerung ist das Wasser in der Jamuna wie fließendes Kristall und der Himmel ist wie ein großes Kristalltuch, das mit zarten Farbschattierungen, deren Namen ich nicht kenne, überzogen ist. Und es ist eine Stille über der Erde, so als ob alle Dinge beten. Und die Brise, die das Wasser der Jamuna kräuselt, ist wie eine Nachricht aus einem Land in dem die Götter wohnen. Es war schön, frühmorgens mit meinen Kameradinnen an den Ghat zu gehen. Das Baden war schön und die Lieder, Gespräche und das Gelächter.Wir haben uns gegenseitig naß gespritzt, einander die Haare benetzt und meine Sakhis riefen fortwährend: »Hari! Hari!« Und eine rief: »Gopala!« aus und fiel beinahe in Ohnmacht. Und eine andere sagte: »Meine Augen verlangen nach Seinem Anblick!« Daraufhin eine andere: »Meine Ohren sind, wie immer, dauernd gespitzt, um Seine Flöte zu hören.« Und eine dritte sagte: »Mein Herz bricht mir. Wann wird Er endlich kommen?« Und eine vierte: »Das Leben ist unerträglich ohne Hari!« Und eine andere sagte: »Und doch, sogar nur der Gedanke an Ihn ist wie Ruhe, Nahrung und Getränk für die matte Seele.« Und eine andere seufzte und schlug sich still an die Brust.
Jedoch eine sagte: »Wahrhaftig, wahrhaftig! Aber das Leben ist auch unerträglich wegen Ihm.« Und es gab ein großes Geschrei bei ihren Worten und alle sagten: »Wie? Unerträglich? Wie meinst Du das, Du Undankbare, Ihn - Nicht - Liebende!« Und es entstand solch ein Stimmengewirr, daß ich ganz vergaß zu fragen wer »ER« war! (Ich will IHN fragen.) Als jedoch sich alle Gopis an diejenige wandten, die gesagt hatte, daß das Leben »unerträglich« sei wegen »Ihm«, hob sie ihre Gagar auf ihren Kopf und dann, sie mit der einen Hand festhaltend, hob sie die andere, um um Stille zu bitten.
»Ja« sagte sie schließlich. »Ich sage wegen Ihm. Denn mein Mann, der mich liebt, ist voller Zorn gegen das, was er meine »Besessenheit« nennt, ißt keine Nahrung, die von mir gekocht ist, meine Schwiegermutter spricht nicht mit mir und die Schwestern meines Mannes machen mir das Leben so elend mit ihren sticheligen und beißenden Reden. Darum sage ich, wäre dieser Krishna doch auf dem Grund der Jamuna!«
Und so gesprochen, drehte sie sich um und ging weg, eine Hand an ihrer Gagar, die andere an ihrer schwingenden Hüfte. Und selbst ihr Rücken schien in Zorn und Hoffnungslosigkeit aufzuschreien. Meine Kameradinnen schienen über ihre Worte verdutzt zu sein, bis eine nach einer Weile sagte: »Krishna sei gedankt! Nicht alle Männer sind wie der Ehemann dieser Unglücklichen! Was, EIFERSÜCHTIG! Und das auf Krishna!«Bei diesen Worten lachten alle Gopis in scherzhafter Verachtung. Und ich begann mich zu wundern, wer dieser »Krishna« sein könnte, so stark, daß ich sogar vergaß danach zu fragen! Es ist ein so süßer Name, »Krishna«. Wer könnte es sein?