10 Am nächsten Tag
Oh weh, oh weh, oh weh! Was ist über mich gekommen! Warum wurde ich jemals geboren!Sharmila, die Tochter jenes großen Oberhauptes, dessen Name nicht geäußert werden darf, die Blume eines königlichen Baumes, wie tief bist Du gefallen! Ah, Mutter, Mutter, ich möchte zu Dir! Ich brauche Dich! Ich kann nicht - ich kann nicht - ich will nicht ohne Dich leben! Und doch - es ist gut, daß Du nicht hier bist, denn Deine Sharmila in Tränen, erniedrigt, zu Staub gedemütigt, dies würde ein Anblick sein, der Dein zartes Herz zerreißen würde! Wie lieblich pflegtest Du sie! Wie zart ertrugst Du sie! Niemals hörte sie ein strenges Wort von Deinen Lippen - und jetzt - und jetzt - Ah! Lebe ich? Oh Elendige, von Göttern und Menschen verlassen, gebrochen, vernichtet im Staub, warum, warum lebst Du? Aber er; scheint so, als ob sogar der Tod Dich meidet.
Meine Ohren sind voll, erstickt mit Ausdrücken, deren ähnliche niemals vorher von ihnen gehört wurden. Könnte ich doch sterben! Und sie sagt - sie sagt - ich beschimpfe sie! Sie sagt ich sei über sie hergefallen und habe sie geschlagen! Ich! Sharmila! und sie glauben ihr! Ja, sogar mein Nath sieht mich sorgenvoll an! Was habe ich getan, daß ich so schlecht behandelt werde? Niemals, niemals wurde ich so mißhandelt! Nein, noch nicht einmal an jenem ersten Tag, als ich versuchte die Kuh zu melken und das Biest sich herumdrehte und den Eimer umkippte, der neben mir stand. Der Eimer war voll mit Milch und meine Nanand war sehr wütend. Noch, an jenem Tag, als ich vom Ghat nach Hause kam, mein Fuß ausrutschte und die Gagar von meinem Kopf fiel und zerbrach, noch, als ich die Parijatakblumen pflückte, mein Sari sich an einem Brombeerstrauch verfing und zerriß und als ich mich bemühte ihn loszuzerren, eine Biene herausflog und meine Schwägerin stach! Nein, niemals wurde ich so mißhandelt, obwohl meine Schwägerin ein Temperament wie Feuer hat und eine Zunge, so scheint es, die aus Skorpionen gemacht wurde!
Und es war nicht mein Fehler, das schwöre ich. Hör zu und richte gerecht zwischen ihr und mir. Es geschah folgendermaßen:
Als wir heute unsere Krüge füllten, kam zum Ghat eine Gestalt, die schien aus Licht zu sein. So wunderbar war ihr Gesicht, daß alle sie anstarrten und so starrend, die Welt vergaßen. Ihre großen schwarzen Augen leuchteten freundlich und sahen fortwährend unter ihren Brauen hervor und ihre Augenbraue war rein und erhaben wie die schneebedeckten Gipfel des Himalayas. Ihr nacht-schwarzes Haar, ihr zartes Gesicht einrahmend, war wie schwarzgekräuselter Samt um eine Perle und war hinten in einem großen Knoten zusammengebunden, dessen Schönheit durch die Blumen, die ihn umringelten, hervorgehoben wurde. Ihr weißer Sari schmiegte sich um ihren prächtigen Körper, als ob er ihn liebte und schien die Ausstrahlung wiederzugeben, die in ihr wohnte. Sie schien eine Gottheit zu sein, behängt mit leuchtenden Wolken. Und ihre Lippen waren fest, zart und feierlich nach oben gewölbt, so als ob sie alle Wesen liebte, sie ertrug, ihre Schwäche kannte und freundlich über sie lachte, wenn sie sie tadeln sollte.